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Am Sinisierungskurs des chinesischen Christentums festhalten und sich aktiv in die sozialistische Gesellschaft integrieren

Vorbemerkung: Stellvertretend für die religiösen Führungspersönlichkeiten Chinas hielt Xu Xiaohong im März eine programmatische Rede vor der Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes in Beijing1, in der er das chinesische Christentum auf den Sinisierungskurs im Einklang mit der sozialistischen Gesellschaft einschwört. In kämpferischem Ton und Duktus beschreibt Xu für das Christentum die Notwendigkeit, entschieden die „Prägung“ des Westlichen abzuschütteln. Herr Xu ist als Vorsitzender der Nationalkomitees der Drei-Selbst-Bewegung der protestantischen Kirchen in China politisch einflussreichster Vertreter der offiziellen protestantischen Dachverbände des Landes.

Generalsekretär Xi Jinping hat im Bericht des 19. Parteitags2 der KPCh gefordert: „Die grundlegenden Prinzipien der parteieigenen Religionsarbeit müssen vollständig implementiert werden und zu einer aktiven Anpassung der Religionen an die sozialistische Gesellschaft führen“. Die Sinisierung des Christentums in unserem Land voranzutreiben, ist nicht nur eine dringende Erwartung von Partei und Regierung, vielmehr ist es eine notwendige Bedingung für die gesunde Entwicklung der chinesischen Kirche.

In der jüngeren Geschichte ist das Christentum im Gefolge der kolonialistischen Aggression westlicher Großmächte in großem Umfang nach China gekommen, was ihm die Bezeichnung „westliche Religion“ eintrug. Die Kirchen unseres Landes sind allesamt Früchte der Missionsbemühungen, sie waren „Christentum in China“. Nicht wenigen Gläubigen mangelt es an Nationalbewusstsein, was zu dem Spruch beitrug: „Ein Christ mehr ist gleichbedeutend mit einem Chinesen weniger“. Es kam immer wieder zu Vorfällen, insbesondere zu nennen sind der Boxeraufstand und die Antichristliche Bewegung, die zu der Entstehung einer kirchlichen Unabhängigkeitsbewegung und Überlegungen zur Indigenisierung geführt haben. Allerdings konnten diese Anstrengungen im alten China nicht von Erfolg sein, in einem Land, das durch interne Probleme und ausländische Invasion zunehmend verarmt und geschwächt war.

Kurz nach Gründung der Volksrepublik China erklärte Premierminister Zhou Enlai, „eine religiöse Organisation ist für China ohne Nutzen, wenn sie nicht zwei Voraussetzungen erfüllt, nämlich Land und Demokratie zu lieben“. „Eine chinesische Kirche muss zu Chinas eigener Kirche werden und unbedingt Einflüsse und Kräfte des Imperialismus aus ihrem Innern entfernen. Es ist ihre Aufgabe, im Einklang mit dem Geist von Drei Selbst das Nationalbewusstsein zu stärken und zur eigentlichen Basis einer religiösen Organisation zurückzukehren, nämlich selbständig Kraft zu entfalten.“ Die Drei Selbst Reformationsbewegung, die durch ihren visionären Repräsentanten Herrn Wu Yaozong 1954 das Komitee der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung der chinesischen Christen gründete, zerschnitt formal die Beziehung zu den westlichen Missionsgesellschaften. Zum ersten Mal verfügte das Christentum in unserem Land über volle Souveränität; Selbst-Verwaltung, Selbst-Erhaltung und Selbst-Verbreitung prägten sich tief in das Verständnis der Menschen ein. 1958 wurde der Einheitsgottesdienst eingeführt, der mit der falschen Praxis von Denominationen aufräumte und einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Sinisierung des chinesischen Christentums darstellte. Seit der Öffnungsreform passt sich die Kirche unentwegt an die aktuellen Entwicklungen an, von „Drei- Selbst“ zu „Drei-Gut“ und weiter zur Initiative des Aufbaus theologischen Denkens. Eines Herzens und Sinnes mit Partei und Regierung erzielten die Persönlichkeiten der Kirche durchaus gute Resultate in kirchlichen Belangen. Man muss sagen, dass die überwiegende Mehrheit der Pastoren und Pastorinnen, sowie der Gläubigen unseres Landes patriotisch gesinnt sind. In der Geschichte haben nicht wenige herausragende Persönlichkeiten der Kirche in Zeiten nationaler Gefahr aktiv an patriotischen Bewegungen teilgenommen und sehr bewegende Zeugnisse davon in Prosa und Poesie hinterlassen. In den letzten Jahren, wurde eine große Anzahl an Christen in ganz China zu Modellarbeitern ernannt und zur Rührung ihrer Landsleute am 1. Mai mit Auszeichnungen geehrt.

Damit waren sie nicht nur nationale moralische Vorbilder und führende Gestalten in ihren Professionen, sie bewiesen auch, dass die überwiegende Zahl an Gläubigen brennende Liebe für ihr Vaterland und für die Ausübung ihres Berufes hegt.

Wir sehen aber auch klar, dass noch einige erhebliche Probleme im Bereich des Christentums existieren, z.B. : Infiltration von außen, nicht authorisierte Versammlungspunkte, ein Mangel an hochqualifiziertem kirchlichen Personal, das gleichermaßen Vaterland und Kirche liebt, ein unzureichendes Rechtsverständnis bei einem Anteil an Gemeindeleitenden und Gläubigen. Wenn wir diesen Problemen keine stärkere Beachtung schenken, können sie ernste politische Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist von absoluter Wichtigkeit zu erkennen, dass der Familienname unserer Kirche „China“ heisst und nicht „Westen“. Anti-chinesische westliche Kräfte versuchen fortgesetzt mittels des Christentums die Stabilität des Sozialismus in unserem Land zu beeinträchtigen, bis hin zu Bestrebungen, unsere Regierung zu stürzen - das darf auf keinen Fall zugelassen werden. Was die schwarzen Schafe betrifft, die sich unter christlicher Flagge an Aktivitäten beteiligen, die der Sicherheit des Staates schaden, so befürworten wir entschieden, dass der Staat sie gemäß dem Gesetz bestraft.

Als Vertreter der neuen Ära muss das Christentum unseres Landes auf jeden Fall in jeder Hinsicht auf die Umsetzung der Sinisierung hinarbeiten und sich aktiv in eine Gesellschaft des Sozialismus mit den Besonderheiten des neuzeitlichen China einpassen. Der „Fünfjahresplan zur Sinisierung des Christentums in unserem Land (2018-2022)“ und die zehnte Nationalversammlung der Chinesischen Protestanten3 bilden auf einer höheren Ebene das solide Fundament, auf dem die Sinisierung vorangetrieben wird.

Es ist uns überaus klar, dass wir als Protestanten bei der Sinisierung eine schwerere historische Last zu tragen haben als andere Religionen und der Druck zur praktischen Umsetzung größer ist. Das verlangt von uns:

Erstens: nur wenn wir den Stempel loswerden, eine „westliche Religion“ zu sein, kann das Christentum unseres Landes zu Licht und Salz der Gesellschaft werden, kann es Gott rühmen und dem Volk dienen.

Zweitens: nur wenn wir theologisch echte Eigenständigkeit erreichen, können wir wir von einem wirklich chinesischem Christentum sprechen.

Drittens, nur wenn wir uns aus der unvergleichlichen Tradition der chinesischen Kultur speisen, kann das Christentum unseres Landes Wurzeln in der eigenen chinesischen Kultur schlagen und zu einer Religion werden, die vom chinesischen Volk als ihre eigene angesehen wird.

Viertens, nur wenn wir ohne Unterlass die Kernwerte des Sozialismus entwicklen und implementieren, kann sich das hiesige Christentum wirklich in die sozialistische Gesellschaft einfügen.

Ungeachtet dessen, wieviel Kraft aufgewendet werden muss und wie lange es dauern wird - die Entschlossenheit, mit der wir uns in Richtung Sinisierung des Christentums bewegen, wird sich nicht ändern, der Wille, gemeinsam mit der sozialistischen Gesellschaft auf einem Weg Schritt zu halten, wird nicht wanken. Als Zeugen der neuen Ära, am Beginn der neuen Reise, werden wir entschlossen die Initiative ergreifen, um die Menge der Gläubigen gemeinsam zu führen, um das Wiedererstehen des großartigen China in die Tat umzusetzen und einen Beitrag zur Arbeit am chinesischen Traum zu leisten.

(Quelle: Xinhua Online, CCCTSPM Dokumente, 新华网全国两会文字实录) Soziale Medien (weixin): ninglingtongzhan

E-Mail: nlxwtzb(at)126.com

Übersetzung aus dem Chinesischen Isabel Friemann, 10.9.2019


1 Am Nachmittag des 11.3.2019 in der 2. Sitzung der 4. Vollversammlung der 13. Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes in der Großen Halle des Volkes.

2 Oktober 2017.

3 November 2018.

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